Bericht über die lokale samo.fa-Konferenz

Bericht über die lokale samo.fa-Konferenz

07/09/2018

16:30 Uhr - 20:00 Uhr

Katholische Akademie

Wintererstr. 1

Freiburg

“Die Mutter aller Integration ist die Vernetzung”  Lokale samo.fa-Konferenz in Freiburg am 7.9.2018

„Diese Konferenz ist wichtig um das Engagement von Migrantinnen und Migranten sichtbar zu machen, gerade jetzt nach den Ausschreitungen in Chemnitz.“
(Moderatorin Yaoscar Padilla de Rothmund)

Für die Eröffnung der samo.fa-Konferenz in Freiburg fand Moderatorin Yaoscar Padilla de Rothmund motivierende Worte. Im Saal der Katholischen Akademie in Freiburg versammelten sich kommunale und lokale Vertreter*innen von verschiedenen Organisationen, Ehrenamtliche und Interessierte. Die Teilnehmer*innen wurden von dem FAIRburg-Gründer und Stadtrat Ibrahim Sarialtin und der Vorstandsvorsitzenden des Migrantinnen und Migrantenbeirats Olena Neumann begrüßt.

Der Interkulturelle Verein FAIRburg e.V. und der Beirat sind nur zwei Möglichkeiten, sich als Migrantin oder Migrant in Freiburg zu engagieren, partizipieren und sichtbar zu werden. Um diese Sichtbarkeit und das Zusammenleben im Alltag ging es in der lokalen Konferenz in Freiburg.

Die ‘Mutter aller Integration’ ist die Vernetzung”
(Hans Steiner, Amt für Migration und Integration)

“Die Mutter aller Integration ist die Vernetzung”, leitete Hans Steiner sein Input zu Statistiken über Freiburger*innen mit Migrationsgeschichte pointiert ein. Damit bezog er sich auf die aktuelle mediale Verunglimpfung von Horst Seehofer als Analyse der rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz, der die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet hat und sich spätestens damit als Innenminister disqualifiziert hat.
Anschließend wurde von Dr. Carmen Colinas sehr anschaulich die (fehlende) Sichtbarkeit von Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien referiert. In der Medienwelt sind Menschen mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert. Zudem reproduzieren Journalist*innen, die in der
Berichtserstattung stereotype Bilder und Sprache verwenden falsche Bilder. Wichtig ist die Bildauswahl: nicht wiederholend die unterdrückte ‘Kochtuchfrau’ ohne Gesicht und das gefährliche Sprach-Bild vom „vollen Boot“.

„Es ist Quatsch, eine Nation als ein Boot zu imaginieren, das untergehen könnte. Dieses rassistische Bild reproduzieren wir auch, wenn wir sagen: ‘Das Boot ist noch nicht voll.’“ (Dr. Carmen Colinas, Neue Deutsche Medienmacher)

Sie rät zur Normalisierung: Medien sollen die Realität abbilden und Migrant*innen auch als Ärzt*innen, Biolog*innen oder sonstige Expert*innen zeigen. Frau Dr. Colinas stellte ihre Organisation Neue deutsche Medienmacher vor und verwies auf Formulierungshilfen für eine interkulturell-sensible Sprache. Wie man als Migrant*innen-Organisation Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht, wurde in ihrem Workshop anschließend vertieft.

Ein weiteres Workshop-Thema war Mehrfachidentitäten: „Ich bin nicht nur Ungarin, ich bin auch Freiburgerin und Hundehalterin“, zählt mit unterhaltsamem Understatement Workshopleiterin Prof. Dr. Naussika Schirilla einige ihrer Identitäten auf. Stereotypen, die an Nationalitäten gekoppelt werden, können zu identitärem Homogenitätswahn führen. Im Workshop wurden viele Identitäten dekonstruiert und pluralisiert, indem die Teilnehmenden sich bewusst machten, aus welchem Identitätenfächer ihr Selbst besteht. Gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund brechen Vorurteile gegenüber einer als homogen imaginierten (Migranten-)gruppe.

„Also treten Sie in einen Kleingartenverein ein!”

(Prof. Dr. Naussika Schirilla, Katholische Hochschule Freiburg)

 

war der pragmatisch wie augenzwinkernde Imperativ dieses Workshops. Wer bereits darüber nachgedacht hatte, sich in einem Verein zu engagieren, besuchte den Workshop von Paulo Cesar, der die Möglichkeiten der Partizipation durch Selbstorganisation auffächerte. Nach der Vorführung der best practice-Beispiele der samo.fa Migrantenorganisationen in einem kurzen Film, diskutierte die Gruppe über Netzwerkstrukturen und die 

Notwendigkeit eines Dachverbands für Migrantenorganisationen in Freiburg.
(Workshopthema von Paulo Cesar, samo.fa-Koordinator München)

Wie wichtig das Thema Migration ist, sehen wir täglich in den Medien. Dort wird viel zu oft von Politikern ‘über’ Migration gesprochen. Wichtiger ist, Menschen mit Migrationsgeschichte selbst sprechen zu lassen. Das taten wir auf der lokalen samo.fa Konferenz in Freiburg.

Patricia Aparicio bedankt sich bei allen Mitwirkenden!

Fotos: Amina Günther und Biryar Kouti
Kontakt Biryar Kouti: yekempro@gmail.com